+++ TAG 6 +++

Abfahrt: 8:50 Uhr, Alta (Norwegen), Kilometerstand: 15.289

Ankunft: 22:30 Uhr (21:30 Uhr deutsche Zeit), Karigasniemi (Finnland), Kilometerstand: 15.765

 

Heute war der Tag auf den wir lange hingefiebert haben. Wenn auch immer mit der gesunden Skepsis, ob wir unserer alten Feuerwehrlady „Ida“ diesen Weg bis zum Nordkap zumuten können. Denn der Weg bis zum nördlichsten Punkt Europas wird nicht einfach sein. Auf uns warten insgesamt fünf Tunnel, der längste sogar knapp 7 km lang, mit einer Steigung bis zu 10 %. Für unsere Ida bedeutete dies wiederum eine erhöhte Belastung. Und nichts könnten wir weniger gebrauchen als (hier oben) liegen zu bleiben.

Vor uns liegen also noch ca. 235 km bis zum Nordkap, die wir bis zum Ort Olderfjord auch gewohnt entspannt abgefahren sind. Nirgends trifft der Spruch „Der Weg ist das Ziel“ wohl mehr zu, als hier in Norwegen. Unglaublich faszinierend ist es neben den Fjorden an steilen Berghängen zu fahren oder nach jeder der unzähligen Kurven aufs Neue von beeindruckenden Landschaften überrascht zu werden. Unsere Finger waren während der Fahrt ständig am Kameraauslöser, zusammen mit den Worten „Wahnsinn, guckt mal da“.

Die ersten Tunnel warten auf uns, wurden von unserer Ida aber mit Bravur gemeistert. Und dann war er da, der berüchtigte Nordkaptunnel. Dieser ist 6.870 m lang und liegt an der tiefsten Stelle 212 m unter dem Meeresspiegel. Relativ entspannt beginnt der Tunnel, es geht steil bergab. Ein Lampenband in der Mitte des Tunnels sorgt für die gemütliche Stimmung. Die will bei uns aber nicht aufkommen – im Gegenteil. Nachdem die tiefste Stelle erreicht wurde, geht es die nächsten 4 km steil bergauf. 10 %. Die wohl angespanntesten Minuten für uns. Man kann quasi die Tropfen hören, die von der Tunneldecke auf unser Auto fallen. Ida, die sich ihre Zeit nimmt, quält sich im 2. Gang, mit 15 km/h den Weg aus dem Tunnel, bis wir alle endlich sprichwörtlich das Licht am Ende sehen. Erleichterung, Freude in allen Gesichtern, Menschen die sich in den Armen liegen, irgendwo hört man ein Feuerwerk, ungefähr so fühlte es sich an, als wir es geschafft hatten. Nun war es wirklich nicht mehr weit bis zum Nordkap. Zwar warten auch hier nochmal einige Straßen mit enormen Anstieg auf uns, im Vergleich zum Tunnel aber ein Leichtes.

Nach gefühlt 17 Schweißausbrüchen haben wir es dann endlich geschafft. Das Nordkap liegt vor uns. Lediglich eine Schranke und ein Kassenhäuschen trennen uns nun noch vom Höhepunkt (im wahrsten Sinne) unserer Reise. Wir erreichen den nördlichsten Parkplatz Europas, den unzählige Wohnmobile auch für sich eingenommen haben. Auf geht’s in die Nordkaphallen hinein und gleich auf der anderen Seite wieder raus, direkt zur berühmten Weltkugel, dem Wahrzeichen des Nordkap. WAHNSINN. Ein Gefühl von Erleichterung und großem Stolz macht sich breit. Wir nutzen die Chance ohne Touristen im Bild, haben unsere Teamflagge gehisst und zahlreiche Fotos in jeder Pose geknipst. Da es zu den Stoßzeiten nicht erlaubt ist mit dem Fahrzeug bis zur Kugel zu fahren, erfragten wir vor Ort die Möglichkeit, zumindest ein Foto vor dem Eingangsbereich zu machen. Wir haben zwar nicht wirklich dran geglaubt, aber nachdem wir erzählt haben, womit wir angereist sind, durften wir über die Busspur, bis vor die Tür unsere Ida abstellen und schnell unsere Teamfotos machen.

Nachdem dies erledigt war, haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht. Leider auch wieder durch unseren nicht lieb gewonnen Nordkaptunnel. Aber auch hier sind wir, wenn auch sehr langsam, dafür aber ohne Probleme, wieder rausgekommen. Unmittelbar nach dem Tunnel haben wir unserer Ida dann eine verdiente Pause gegönnt und bei unserem heimischen Werkstattteam angerufen, dass wir heil an- & wieder runtergekommen sind.

Im weiteren Verlauf des Tages haben wir Norwegen verlassen und sind erneut über die finnische Grenze gefahren. Direkt dahinter haben wir uns einen Schlafplatz gesucht . Was uns beim Blick auf die Uhr auffiel, man hat uns direkt eine Stunde geklaut. Bevor wir den Tag beendet haben, sind wir nochmal in den eiskalten Fluss gesprungen.

 

 

About the author: Toni

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